Kochen und Feuern: Unterwegs gut essen ist mehr als gutes Essen

Wenn wir unterwegs sind und draussen Essen, essen wir einfach: Müsliriegel, Fertignudeln und Energydrinks, notfalls auch Beeren und Kräuter aus dem Wald. Das ist zumindest der Eindruck, den viele Leute haben, wenn sie erfahren, dass wir mehrere Tage auf Tour gehen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wann immer möglich kochen wir auf dem Feuer und essen warm. Meist gibt es drei Gänge. Denn gutes Essen ist weit mehr als Energiezufuhr. Dazu folgende Geschichte:

Gemütlich auf der Alpe festgesetzt

Vier Freunde von mir und ich wollen das Val Grande erkunden. Es ist der erste Tag unserer Tour. Wir sind von Fondo li Gabbi auf die Alpe Scaredi aufgestiegen. Die Hütte ist, wie üblich im Val Grande, einfach eingerichtet. Im Erdgeschoss des Steinbauses gibt es einen Ofen und einige Tische mit Sitzbänken. Im Dachstock haben wir unsere Schlafsäcke ausgebreitet.

Beim Aufstieg hatten wir herrlichen Sonnenschein. Doch jetzt am Abend ziehen Gewitterwolken auf. Wir beschliessen, rein zu gehen und unser Abendessen zu kochen. Die erste Etappe war nicht all zu lang und unsere Beine noch frisch. Daher haben wir für das erste Menü nicht so sehr auf das Gewicht geachtet. Es gibt Älplermagronen mit Gurkensalat als Vorspeise. Inzwischen haben wir eine Wohngemeinschaft mit Hogi und Oli aus Bayern. Sie löffeln ihre Instantmenüs und sind interessiert an dem Schweizer Rezept. 

Draussen tobt ein heftiges Gewitter und es hagelt. Nach wenigen Minuten ist die Landschaft weiss. Es hat deutlich abgekühlt und wir beschliessen, das Brot für das Frühstück zu backen. Der Ofen verfügt über ein Backrohr. Hogi und Oli glauben nicht, dass das funktioniert. Während der Teig aufgeht, teilen wir unsere Bündner Nusstorte mit den Bayern. 

In der Nacht stürmt es weiter. Der Wind pfeift zwischen den Dachsteinen hindurch. Wir wollen eigentlich früh los. Aber als wir am nächsten Morgen die Türe des Refugios öffnen, ist alles verschneit. Wir beschliessen, vorerst in der Hütte zu bleiben. Nach dem Frühstück mit Kaffee, Tee und frischem Brot ist schnell klar, dass es Käsefondue zum Mittagessen geben wird. Wir schnitzen Fonduegabeln. Der Hüttenboden ist mit Hozschnitzeln bedeckt. Während es draussen weiter schneit, geniessen wir das Fondue. Hogi und Oli löffeln Nudelsuppe und sind sich nicht sicher, was sie von den Schweizern halten sollen.

Val Grande Käsefondue

Es treffen weitere Gäste ein, triefnass und durchgefroren. Wir trinken Tee und in der Hütte entsteht eine wohlige Wärme. Dabei kommen wir ins Gespräch. Einer der Wanderer hat eine Federwaage dabei, um den Inhalt seiner Gaskartusche zu messen. 

Am nächsten Morgen sind wir wieder früh auf. Die Sonne scheint und wir wollen weiter ziehen. Doch davor backen wir Ciabatta im Ofen. Oli und Hogi machen sich auf den Weg und verabschieden sich mit den Worten "Jetzt backen die schon wieder". 

gemeinsam am Feuer kochen

Foto von Reto Bühler 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Die Datenschutzbestimmungen habe ich zur Kenntnis genommen.